Warum die Kreditkarte hierzulande oft die zweite Wahl ist
Die Deutsche Bundesbank hat die Zahlungsgewohnheiten im Land zuletzt genauer aufgeschlüsselt. Das Ergebnis überrascht wenig: Debitkarten dominieren, rund 97 Prozent der Bevölkerung besitzen mindestens eine. Der Anteil echter Kreditkarten ist dagegen in den vergangenen Jahren von etwa 24 auf 17 Prozent gesunken. Wer eine Kreditkarte beantragt, legt sie hier also selten als Erstausstattung in die Schublade, sondern als Ergänzung zur Girocard.
Im Handel fällt die Bilanz ähnlich aus. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen akzeptieren die Girocard, Kreditkarten der internationalen Systeme dagegen nur etwa die Hälfte. Deshalb bleibt die Karte beim Bäcker in Bochum, am Kiosk in Hamburg-Altona oder auf dem Wochenmarkt in Leipzig regelmäßig stecken. Wer ohne Bargeld loszieht, sollte diesen Punkt einplanen.
Der zweite Stolperstein ist der Preis. Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr ist inzwischen der Normalfall, doch die Kosten sitzen an anderen Stellen: Fremdwährungsgebühren zwischen 0 und knapp 3 Prozent, Bargeldabhebung je nach Anbieter zwischen 0 und 4 Prozent des Betrags, dazu ein effektiver Jahreszins von oft 18 bis 25 Prozent, sobald der Saldo in Raten zurückgezahlt wird. Die Jahresgebühr allein sagt also wenig über die tatsächlichen Kosten einer Kreditkarte aus.
Eine dritte Verwechslung sorgt für Ärger: Visa und Mastercard gibt es heute auch als Debitkarte. Sie sieht aus wie eine Kreditkarte und wird manchmal auch so beworben, bucht aber jeden Betrag sofort vom Girokonto ab. Bei Hotelbuchungen, Mietwagen oder Tankstellen entstehen daraus Rückfragen, weil Kautionen reserviert werden. Wer häufig reist, merkt den Unterschied spätestens am Mietwagenschalter.
Dazu kommen Zugangshürden. Studierende, Selbstständige und neu Zugezogene erhalten häufig nur einen kleinen Rahmen. Der Kreditrahmen reicht je nach Anbieter und Bonität von wenigen Hundert Euro bis in den fünfstelligen Bereich, und viele Anträge scheitern nicht an der Karte, sondern an fehlenden Umsatzdaten für die Prüfung.
Welcher Kartentyp zu welchem Alltag passt
Nach dem Preisvergleich lohnt ein Blick auf das eigene Zahlungsverhalten. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Varianten ein.
| Kartentyp | Typische Kosten | Abrechnung | Passt gut zu | Vorteile | Nachteile |
|---|
| Girocard (früher EC-Karte) | Kontoführung, teils Kartenentgelt | sofort vom Girokonto | Alltag, Handel vor Ort | sehr hohe Akzeptanz im Inland, günstig für Händler | im Ausland und im Onlinehandel oft nicht einsetzbar |
| Visa- oder Mastercard-Debitkarte | meist ohne Jahresgebühr, Fremdwährung teils 0 bis 2,99 Prozent | sofort vom Konto | Online-Shopping, Reisen innerhalb der EU | weltweit akzeptiert, kein Kreditrisiko | Kautionen und Mietwagen bleiben schwierig |
| Kreditkarte ohne Jahresgebühr | 0 Euro Jahresgebühr, Fremdwährung 0 bis 3 Prozent, Bargeld 0 bis 4 Prozent | monatliche Sammelrechnung, effektiver Jahreszins etwa 18 bis 25 Prozent | Reisen, Online-Einkäufe, flexibles Zahlungsziel | Zahlungsziel bis zu sieben Wochen, Versicherungen teils inklusive | Teilzahlung wird teuer, Startlimit oft niedrig |
| Kreditkarte mit Versicherungspaket | mittlere bis hohe Jahresgebühr | monatliche Sammelrechnung | Vielreisende, Familien | Bausteine für Reise und Mietwagen, günstige Zusatzkarten | Leistungen mit Bedingungen, Doppelversicherung möglich |
| Prepaid-Karte | Kartenpreis, Auflade- und Abhebegebühren | Guthaben, keine Kreditlinie | Ausgabenkontrolle, Jugendliche, Antrag ohne Bonitätsprüfung | Überziehen ist ausgeschlossen | Aufladen nötig, weniger Anbieter, Gebühren im Detail |
Ein Beispiel aus der Praxis: Jonas aus Bochum nutzte zwei Jahre die Kreditkarte seiner Hausbank, mit 60 Euro Jahresgebühr und einer Auslandsreise-Krankenversicherung als Zusatz. Nach einer Woche Urlaub in den USA rechnete er nach und stellte fest, dass jede Zahlung mit rund 2 Prozent Fremdwährungsaufschlag belastet worden war. Er wechselte auf eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr Deutschland, die auch in Fremdwährung ohne Aufschlag abrechnet, und schloss die Reiseversicherung separat ab. Nach seiner eigenen Rechnung spart er damit etwa 70 Euro im Jahr.
Regional zeigt sich der Unterschied noch deutlicher. In Freiburg und den grenznahen Gemeinden Richtung Schweiz und Frankreich gehört das Zahlen in Franken zum Alltag, oft mehrmals pro Woche. Wer dort lebt, fährt mit einer Karte ohne Fremdwährungsgebühr deutlich günstiger als mit einem Standardtarif. In ländlichen Regionen Sachsens und Brandenburgs bleibt Bargeld dagegen wichtig, dort ist eine Karte, die an vielen Automaten ohne Zusatzentgelt Geld ausgibt, praktischer als ein Cashback-Programm.
Sabine aus Kiel erging es anders. Für eine Mietwagenbuchung in Dänemark brauchte sie eine echte Kreditkarte, weil ihre Debitkarte die Kaution nicht reservieren konnte. Seitdem kombiniert sie: Girocard für den Alltag, Kreditkarte für Vielreisende für Buchungen und alles, was im Ausland anfällt.
Wo die Kosten wirklich entstehen
Der effektive Jahreszins ist der teuerste Posten, und er greift schneller, als viele denken. Wer die Sammelrechnung nur teilweise ausgleicht, zahlt Zinsen auf den Rest, und zwar rückwirkend ab dem Buchungsdatum in vielen Tarifen. Eine Kreditkarte als dauerhaftes Zahlungsziel zu nutzen, ist deshalb ein teurer Kredit. Wer die Rechnung vollständig begleicht, zahlt dagegen keinen Cent Zinsen.
Kleinere Posten summieren sich ebenfalls: Ausgabe einer Ersatzkarte, Abheben an fremden Automaten, Bargeld im Nicht-Euro-Raum, manchmal auch eine Gebühr für die Kartenausgabe selbst. Beim Kreditkarte beantragen lohnt deshalb ein Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis, nicht auf die Werbeseite.
So gehen Sie bei der Auswahl vor
- Zahlungsprofil notieren. Zählen Sie einen Monat lang: Wie oft zahlen Sie im Ausland, wie oft online, wie oft heben Sie Bargeld ab? Wer überwiegend in Deutschland einkauft, kommt mit Girocard plus einer günstigen Ergänzungskarte aus.
- Abrechnungsart klären. Debit oder echte Kreditkarte entscheidet darüber, ob Kautionen, Hotelvorautorisierungen und Mietwagen durchgehen. Für Reisen außerhalb der EU ist die echte Kreditkarte meist die sicherere Wahl.
- Gebühren vergleichen, nicht nur die Jahresgebühr. Fremdwährung, Bargeldabhebung, Ersatzkarte und Sollzins gehören in dieselbe Tabelle.
- Bonität prüfen lassen. Eine Datenkopie nach Art. 15 DSGVO bei der SCHUFA gibt Auskunft darüber, welche Angaben gespeichert sind. Fehler lassen sich korrigieren, bevor der Antrag läuft.
- Versicherungen gegenrechnen. Eine mitgelieferte Auslandskrankenversicherung kann eine bestehende Police doppeln. Beim Mietwagen zählt vor allem, ob eine Haftpflicht mit hoher Deckung enthalten ist.
- Umstieg sauber planen. Neue Karte aktivieren, dann Daueraufträge und Abos umstellen, erst danach die alte Karte kündigen. Karten in Apple Pay oder Google Pay müssen neu eingerichtet werden.
Lokale Anlaufstellen helfen beim Gegencheck: die Verbraucherzentrale im jeweiligen Bundesland, die Auswertungen von Stiftung Warentest und die Warnlisten der BaFin, wenn ein Anbieter ohne Zulassung wirbt. Bei Verlust oder Missbrauch ist der Sperr-Notruf 116116 rund um die Uhr erreichbar.
Was nach dem ersten Jahr zu tun bleibt
Die erste Abrechnung ist der ehrlichste Test. Wer dort Positionen findet, die er nicht erwartet hat, sollte den Tarif wechseln, statt sich daran zu gewöhnen. Prüfen Sie außerdem, ob der Kreditrahmen noch zum Alltag passt, ob die hinterlegte Karte bei Abos aktuell ist und ob die Auslandsnutzung für außereuropäische Länder freigeschaltet werden muss. Wer im Jahr darauf eine größere Reise plant, legt die Karte vorher in die Reisekasse und informiert die Bank über den Reisezeitraum. Beim Kreditkarte kündigen gilt: erst die neue Karte in der Hand, dann die alte abgeben. Wer sein Zahlungsprofil einmal aufschreibt und drei Preislisten vergleicht, hat die Entscheidung meist in einer halben Stunde zusammen. Der Rest ist Routine, und die lässt sich gut überprüfen.