Warum viele Deutsche ohne echte Kreditkarte leben
Die Bundesbank befragt regelmäßig Haushalte zum Zahlungsverhalten, und das Bild ist seit Jahren stabil: Rund 90 Prozent der Befragten besitzen eine Girocard, Kreditkarten verlieren dagegen leicht an Reichweite. Bargeld bleibt im Einzelhandel, in der Gastronomie und auf Wochenmärkten die erste Wahl, auch wenn unbares Bezahlen inzwischen in einem großen Teil der stationären Geschäfte möglich ist. Mobile Zahlungen wachsen, kommen aber vor allem bei jüngeren Kundinnen und Kunden an.
Daraus entstehen drei typische Reibungspunkte. Erstens die Sprachverwirrung: Viele sagen „Kreditkarte" und meinen ihre Girocard. Visa Debit und Mastercard Debit tragen zwar eine 16-stellige Nummer und funktionieren online, buchen den Betrag aber sofort vom Konto ab. Wer damit ein Mietauto reserviert oder ein Hotelzimmer mit Kaution bucht, wird oft abgelehnt, weil Vermieter einen echten Verfügungsrahmen sehen wollen.
Zweitens die Angst vor der Schuldenfalle. Die Teilzahlung klingt bequem, kostet aber Zinsen – je nach Anbieter und Kartenmodell bewegen sich die effektiven Jahreszinsen in Vergleichen von Verbraucherportalen grob zwischen 15 und 25 Prozent. Wer nur die Mindestrate überweist, zahlt über Jahre.
Drittens die Auslandskosten. Wer in der Schweiz, in Großbritannien oder in Skandinavien mit Karte zahlt, landet schnell bei einem Auslandseinsatzentgelt von bis zu zwei Prozent des Umsatzes. Bei größeren Urlaubsrechnungen summiert sich das spürbar, ohne dass es auf dem Kontoauszug auffällt.
Was eine gute Kreditkarte hierzulande leisten muss
Entscheidend sind vier Kostenblöcke, die zusammen den tatsächlichen Preis einer Karte ausmachen: die Jahresgebühr, das Auslandseinsatzentgelt, die Gebühr für Bargeldabhebungen und die Sollzinsen bei Teilrückzahlung. Dazu kommt die Frage, ob die Karte eine automatische Vollrückzahlung per Lastschrift erlaubt. Genau diese Funktion trennt eine bequeme Karte von einer teuren.
Kostenfallen liegen selten bei der Jahresgebühr
Bei Bargeldabhebungen verlangen einige Institute drinnen in Deutschland eine Pauschale, häufig zwischen 3 und 6 Euro pro Abhebung, im Euroraum dagegen nichts. Wer also nur gelegentlich Bargeld braucht, sollte vor allem auf die Abhebegebühren im eigenen Land achten, nicht auf die Jahresgebühr.
Ein zweiter Punkt ist die Abrechnung in Fremdwährung. An vielen Geldautomaten und Terminals im Ausland wird gefragt, ob man in Euro oder in Landeswährung abrechnen möchte. Die Euro-Umrechnung vor Ort wirkt freundlich, ist aber meist der teurere Weg. Wer in Dänemark, Polen oder der Schweiz in Landeswährung abrechnet, spart in der Regel.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Eine Familie aus Hannover mietet jedes Jahr ein Ferienhaus in Dänemark. Die Kaution von mehreren Hundert Euro lässt sich mit der Girocard nicht hinterlegen, also braucht sie eine echte Kreditkarte. Weil Dänemark nicht zum Euroraum gehört, fällt bei jeder Zahlung ein Auslandseinsatzentgelt an. Bei einer Karte ohne dieses Entgelt und mit kostenfreier Abhebung bleibt die Reisekasse kalkulierbar – bei einer Karte mit zwei Prozent Aufschlag zahlt dieselbe Familie für dieselben Ausgaben deutlich mehr.
Ähnlich sieht es für Grenzgänger aus: Wer regelmäßig von München nach Österreich fährt, bleibt im Euroraum und braucht keine Fremdwährungskarte. Wer dagegen in Basel arbeitet und in Lörrach wohnt, rechnet täglich in Schweizer Franken – für diesen Fall ist ein Kartenprodukt mit null Prozent Auslandseinsatzentgelt die naheliegende Wahl.
Kartenmodelle im Vergleich
| Kartenart | Typisches Beispiel | Jahresgebühr | Auslandseinsatz | Bargeldabhebung | Stärken | Schwächen |
|---|
| Klassische Kreditkarte ohne Jahresgebühr | GenialCard, TF Mastercard Gold | 0 € | 0 % | im Ausland meist ohne, in Deutschland teils Pauschale um 4 € | keine Fixkosten, weltweit einsetzbar, Apple Pay | hohe Sollzinsen bei Teilzahlung, kaum Versicherungen |
| Goldkarte mit Versicherungspaket | Hanseatic GoldCard, Deutschland Kreditkarte Gold | erstes Jahr 0 €, danach rund 35–45 € | rund 2 % | im Ausland teils gebührenfrei | Reiseversicherungen, Reiserabatt | Fremdwährungsgebühr, Bindung an Paket |
| Premiumkarte | Targobank Premium Karte | rund 97 € | rund 1,85 % | rund 3,5 %, mindestens etwa 5,95 € | Bonusprogramm, Auslandskranken- und Mietwagenversicherung | hohe Fixkosten, teures Bargeld |
| Girocard oder Visa Debit | Girocard, Visa Debit der Hausbank | meist 0 € | je nach Institut | am eigenen Automaten meist ohne | Kontrolle, Alltagstauglichkeit, kein Kreditrisiko | kein Kreditrahmen, Kaution und Mietwagen schwierig |
Die Spannen zeigen: Ein Vergleich lohnt sich fast immer, weil dieselbe Leistung bei unterschiedlichen Anbietern sehr unterschiedlich bepreist wird.
Vier Schritte zur passenden Karte
Schritt eins: Zahlungsprofil notieren. Wie oft zahlen Sie außerhalb des Euroraums, wie viel Bargeld heben Sie im Monat ab, buchen Sie Mietwagen oder Hotels mit Kaution? Wer zwei Fernreisen pro Jahr macht, rechnet anders als jemand, der nur online Bücher bestellt.
Schritt zwei: Gesamtkosten hochrechnen. Jahresgebühr plus erwartete Fremdwährungsumsätze mal Auslandseinsatzentgelt plus Bargeldgebühren. Ein Rechenbeispiel mit Zahlen aus aktuellen Vergleichen von Verbraucherportalen genügt meist, um zwei Angebote zu trennen.
Schritt drei: Rückzahlung einstellen. Die Vollrückzahlung per monatlicher Lastschrift verhindert Zinsen. Wer die Teilzahlung wählt, sollte den Zinssatz kennen, bevor die erste Rechnung kommt.
Schritt vier: Prüfen, ob die Karte zum Konto passt. Viele Direktbanken stellen Kreditkarten ohne zusätzliches Girokonto aus, Filialbanken verlangen häufiger eine Kontoverbindung. Bei der Antragstellung wird in der Regel die Bonität geprüft; Angebote, die ausdrücklich ohne diese Prüfung werben, verdienen einen zweiten Blick.
Wer sich unsicher ist, findet in Deutschland verlässliche Anlaufstellen: die Verbraucherzentralen mit ihren Kartenchecks, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für Beschwerden über Institute und die Schlichtungsstelle der privaten Banken bei Streit um Gebühren. Ein Blick in die Erhebung der Bundesbank zum Zahlungsverhalten hilft außerdem, das eigene Nutzungsverhalten realistisch einzuordnen, statt sich an Werbeversprechen zu orientieren.
Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt an einer einfachen Frage: Zahlt man über das Jahr mehr Gebühren, als eine andere Karte kosten würde? Wer diese Summe einmal ausrechnet, trifft die Entscheidung meist in wenigen Minuten. Nehmen Sie dafür die letzte Jahresabrechnung zur Hand und vergleichen Sie zwei Angebote – das ist der schnellste Weg zu einer Karte, die im Alltag trägt und im Urlaub nicht im Weg steht.