Warum die Girocard das Land regiert
Deutschland ist kein Kreditkartenland, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. In der jüngsten Erhebung der Deutschen Bundesbank zur Zahlungsgewohnheit gibt rund 90 Prozent der Befragten an, eine Girocard zu besitzen. Nur knapp die Hälfte kommt darüber hinaus mit einer echten Kreditkarte in Berührung. Das erklärt, warum die Karte an der Ladenkasse oft noch als Ausnahme gilt und nicht als Regel.
Die Zahlen zum Annehmen bargeldloser Zahlungen sind inzwischen deutlich besser. Bei stationären Einkäufen ließ sich in 86 Prozent der Fälle ohne Bargeld bezahlen, ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Erhebung. Trotzdem berichtet etwa jeder Vierte, im vergangenen Monat mindestens einmal nicht so bezahlt zu haben, wie er wollte. Der Bäcker um die Ecke, der Zeitungskiosk am Bahnhof, das Taxi in der Kleinstadt: Solche Lücken sind der Grund, weshalb viele Haushalte zwei Karten parallel nutzen.
Ein zweiter Effekt kommt hinzu. Fast ein Drittel der Befragten findet es aufwendiger geworden, an einen Geldautomaten zu gelangen. In Großstädten fällt diese Einschätzung besonders kritisch aus, weil Filialen schließen und Sparkassen sowie Volksbanken ihre Automaten teils zurückbauen. Bargeld bleibt trotzdem wichtig, 94 Prozent der stationären Einkäufe ließen sich bar erledigen, aber der Weg dorthin wird länger. Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr mit weltweiter Bargeldabhebung ist deshalb für manche zum Ersatz für den Bankautomaten geworden, weniger für Kredit als für Logistik.
Die vier typischen Stolperfallen
Jahresgebühr mit Verfallsdatum. Viele Karten locken im ersten Jahr mit einem reduzierten Preis und greifen ab dem zweiten voll zu. Ein Beispiel aus aktuellen Vergleichen: Die Eurowings Premium startet bei 49,50 Euro, ab dem zweiten Jahr stehen 99 Euro auf dem Vertrag. Wer jährlich kündigt und wechselt, spart, muss aber jedes Mal den Aufwand der Neubeantragung tragen.
Fremdwährungsgebühr und das falsche Kreuz am Automaten. Beim Bezahlen außerhalb der Eurozone verlangen viele Institute einen Aufschlag auf den Umsatz. Dazu kommt die Währungsumrechnung am ausländischen Geldautomaten: Wer dort "in Euro" bestätigt, akzeptiert einen Kurs, den der Automatenbetreiber festlegt, nicht die Bank. Diese Option lässt sich fast immer auf "ohne Umrechnung" stellen, die Buchung erfolgt dann in der Landeswährung.
Annahmeverweigerung. Manche Arztpraxen, kleine Handwerksbetriebe und einzelne Selbstbedienungskassen akzeptieren nur Girocard oder Bargeld. Eine Kreditkarte im Portemonnaie hilft dort nicht weiter, eine kombinierte Debitkarte mit Girocard-Funktion schon eher.
Scoring und Ablehnung. Rund 68 Millionen Menschen in Deutschland sind bei der Schufa erfasst. Beantragt man eine Kreditkarte, fragt die Bank den Score ab, der Antrag erscheint als Merkmal in der eigenen Akte. Zu viele parallele Karten, ein knappes Einkommen oder ein gewünschter Rahmen, der nicht zum Gehalt passt, führen regelmäßig zur Ablehnung. Abhilfe schafft hier oft ein kleinerer Kreditrahmen statt eines anderen Anbieters.
Karten im Vergleich: Was die einzelnen Modelle leisten
| Kartentyp | Beispiel aus aktuellen Vergleichen | Jahresgebühr | Bargeld im Inland | Auslandseinsatz | Passt zu | Schwachpunkt |
|---|
| Klassische Kreditkarte ohne Gebühr | Hanseatic Bank GenialCard | 0 Euro | 3,95 Euro pro Abhebung | Zahlungen ohne Auslandseinsatzentgelt | Haushalte mit überschaubarem Reiseaufkommen | Sollzinsen bei Teilrückzahlung |
| Kreditkarte mit Reiseversicherung | TF Mastercard Gold | 0 Euro | Zinsen auf Abhebungen fallen an | keine Fremdwährungsgebühr | Vielreisende, die Versicherungen nutzen wollen | Bargeldbezug ist über Sollzinsen faktisch teuer |
| Kreditkarte mit Jahresgebühr | Hanseatic Bank GoldCard | 58,80 Euro | ohne Entgelt | ohne Fremdwährungsgebühr | Nutzer mit hoher Bargeldabhebung im Ausland | hohe Sollzinsen, Gebühr muss sich erst rechnen |
| Reisebegleitkarte mit Stufenpreis | Eurowings Premium | 49,50 Euro im ersten, 99 Euro ab dem zweiten Jahr | Zusatzkosten möglich | Abhebungen nach Entgeltmodell | Meilensammler | deutliche Preiserhöhung im zweiten Jahr |
| Debitkarte mit Kreditnetzwerk | DKB Visa Debitkarte | 0 Euro | ohne Entgelt | ohne Entgelt | Einsteiger, Studenten, Digitalnutzer | keine echte Kreditlinie, Aktivstatus nötig |
| Kreditkarte mit Händlerbindung | Amazon Visa | 0 Euro | mindestens 1,50 Euro oder 3,9 Prozent | je nach Kondition | Onlinekaufer mit Bonusanreiz | teure Bargeldabhebung |
Die Tabelle zeigt, warum ein reiner Preisvergleich selten reicht. Eine Karte ohne Jahresgebühr, aber mit 3,9 Prozent Abhebegebühr, kann teurer sein als ein Modell mit knapp 60 Euro Jahresbeitrag, sobald man zwei- oder dreimal im Jahr größere Beträge zieht.
Welche Karte zu welchem Alltag passt
Der normale Haushalt mit einer Reise im Jahr
Hier liegt eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr mit Freibetrag für Auslandszahlungen vorn. Wer im Jahr zwei Wochen außerhalb der Eurozone verbringt und sonst im Supermarkt mit Girocard zahlt, hat mit einem 0-Euro-Modell praktisch keinen Nachteil. Die Karte liegt für Mietwagen und Hotelbuchungen bereit, das Girokonto erledigt den Rest. Markus aus Leipzig fasst es so zusammen: "Ich zahle lieber eine Karte, die nichts kostet und im Ausland nichts aufschlägt, als eine mit Versicherungspaket, die ich nie nutze."
Der Vielreisende und Vielflieger
Wer regelmäßig außerhalb Europas bucht, profitiert von der Kombination aus kostenfreier Abhebung und fehlender Fremdwährungsgebühr. Bei einer Beispielrechnung mit 6.000 Euro Jahresumsatz in Nicht-Euro-Währung und einem typischen Aufschlag von 1,75 Prozent entsteht ohne Gegenmaßnahme ein dreistelliger Betrag, der nicht als Warenwert, sondern als Gebühr auf dem Kontoauszug landet. Ein 58,80-Euro-Jahresbeitrag rechnet sich damit oft schon im ersten Urlaub. Sarah, Projektmanagerin aus Hamburg, hat ihren Wechsel so begründet: "Ich habe zehn Monate gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass meine alte Karte im Ausland jedes Mal Geld gefressen hat. Jetzt zahle ich Jahresgebühr, aber unterm Strich weniger als vorher."
Wer von der Bank abgelehnt wurde
Eine Ablehnung ist keine Sackgasse. Der erste Schritt ist eine kostenfreie Selbstauskunft bei der Schufa, die einmal im Jahr möglich ist. Fehlerhafte Einträge lassen sich korrigieren, alte Karten kündigen. Der zweite Schritt ist eine Debitkarte mit Kreditnetzwerk oder eine Prepaid-Lösung, die ohne Bonitätsprüfung funktioniert und im Ausland trotzdem akzeptiert wird. Wer den Score im Blick behalten will, kann seit der Umstellung des Scorings auf zwölf Kriterien einen Online-Simulator nutzen, um vorab zu sehen, wie sich ein Antrag auswirkt.
Der Intensivnutzer mit vielen Abhebungen
Wer häufig Bargeld braucht, sollte die Abhebegebühr stärker gewichten als den Jahresbeitrag. Ein Preis von 3,95 Euro pro Abhebung summiert sich bei zweimal monatlich auf fast 95 Euro im Jahr. In diesem Fall ist die gebührenpflichtige Karte mit unbegrenzter Abhebung schlicht die günstigere Wahl, auch wenn das auf den ersten Blick widersinnig wirkt.
So gehen Sie beim Abschluss vor
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Eigenen Verbrauch schätzen. Zählen Sie für drei Monate, wie oft Sie im Ausland zahlen, wie viel Bargeld Sie abheben und ob Sie die Karte für Mietwagen oder Flugbuchungen brauchen. Erst diese Zahlen entscheiden, ob eine Kreditkarte Deutschland mit oder ohne Jahresgebühr Sinn ergibt.
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Konditionen vollständig lesen. Entscheidend sind nicht nur die Kopfzeilen, sondern die Abhebegebühren, die Behandlung von Fremdwährungen und die Rückzahlungsvorgaben. Skonto- oder Teilzahlungsmodelle können teurer sein als eine Vollzahlung per Lastschrift.
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Zahlungsart festlegen. Richten Sie die monatliche Komplettrückzahlung ein. Ratenzahlung klingt bequem, kostet aber Zinsen, die bei den genannten Modellen im Bereich von knapp 16 bis gut 25 Prozent jährlich liegen.
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Zwei Karten statt einer. Eine Girocard für den Alltag, eine Kreditkarte für Reisen und Onlinezahlungen. Mehr als zwei bis drei Karten belasten erfahrungsgemäß den Score, ohne zusätzlichen Nutzen zu bringen.
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Vor der Reise prüfen. Aktivieren Sie die Karte falls nötig, notieren Sie den Sperr-Notruf und stellen Sie am Automaten die Landeswährung ein. Wählen Sie an der Hotelrezeption die Belastung in der lokalen Währung, sonst rechnet der Händler mit eigenem Aufschlag um.
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Lokale Beratung nutzen. Die Verbraucherzentralen der Länder bieten Termine zu Karten- und Kontofragen an, in Berlin, München oder Köln auch mit Schwerpunkt auf Krediten. Bei Streitfragen rund um Gebühren hilft die Schlichtungsstelle der Bundesbank weiter.
Ein letzter Punkt, der oft übersehen wird: Die Bundesbank-Erhebung zeigt, dass inzwischen 36 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens einmal mit Smartphone oder Uhr bezahlt haben und rund zehn Prozent aller Transaktionen mobil abgewickelt werden. Prüfen Sie daher vor dem Abschluss, ob die Karte in Ihrer Wallet funktioniert und ob Apple Pay oder Google Pay unterstützt werden. Sonst steht man an der Kasse mit einer Karte da, die zwar im Vertrag gut aussieht, aber nicht zu den eigenen Gewohnheiten passt.
Nehmen Sie sich eine halbe Stunde, prüfen Sie Ihre letzten drei Kontoauszüge und vergleichen Sie zwei konkrete Angebote anhand Ihres tatsächlichen Verbrauchs. Danach wird aus dem Dickicht aus Gebühren und Bedingungen meist eine klare Entscheidung.